heimat kann sich echt toll anfühlen, wenn man eine hat. oder wenn man weiß, wo sie ist. wenn nicht kommt man sich oft verloren, haltlos, ohne rechte zugehörigkeit vor. wie nennt man das bloß, wenn man kein heimweh hat, sondern eine sehnsucht danach verspührt, zu wissen, wo die eigene heimat liegt?
seit ziemlich genau fünf jahren beschäftige ich mich immer wieder mit diesem thema. ich war gerade von einem praktikum aus den usa zurückgekehrt…und hatte beschlossen dorthin, genauer gesagt nach washington, d.c., zurückzukehren, um nach abschluss meines bachelors in düsseldorf dort einen master in fernsehjournalismus zu machen. der abschied im kommenden sommer fiel mir sehr schwer. der erste halbe jahr 2005 war wirklich die tollste zeit meines lebens. in der uni lief alles optimal, ich hatte einen traumnebenjob am flughafen und vebrachte so viel zeit mit meinen freunden, wie nie zuvor und auch nie wieder danach.
so spannend und aufregend mein leben in washington weiterging, so sehr hing ich in gedanken diesen großartigen letzten monaten in düsseldorf nach. ihr könnt euch also vorstellen, wie groß die vorfreude war, all die düsseldorfer menschen und dinge während des weihnachtlichen heimaturlaubs wieder in die arme schließen zu können. doch dass alles nicht mehr so großartig sein würde, darauf war ich nicht vorbereitet. diese erkenntnis ging einher mit dem gefühl, das zu hause somit nicht mehr dort war, wo ich dachte. dass düsseldorf zwar immer noch heimat, washington aber schon längst mein neues zu hause war, darauf kam ich erst, als ich drei wochen später mein koffer wieder unter mein bett in meinem zimmer pfefferte.
dieses gefühlswirrwarr beschäftigte mich damals schon derart, dass ich es in einem artikel (.pdf-Datei) verarbeitete (erschienen im stellungswechsel magazin). das gefühl der heimatlosigkeit, das mich während des urlaubs in düsseldorf aber ständig umschlich, konnte ich für mich selber und im artikel nur unzureichend als „milchglas vor herz und augen“ beschreiben.
warum wärme ich so ein altes thema also wieder auf? nun, inzwischen lebe ich schon fast drei jahre wieder in deutschland. meine rückkehr erfolgte nicht unbedingt auf eigenen wunsch, sondern auf betreiben der us-behörden, die mein visum nicht verlängerten. ich die ersten 18 monate zurück in deutschland in düsseldorf, berlin, düsseldorf, köln, berlin und dann wieder düsseldorf. neben einem schwierigen beruflichen neustart begleitete mich stets dieses wortwörtlich unbeschreiblichen gefühls der fehlenden zugehörigkeit. wie bei allem gewöhnte ich mich irgendwann, beschloss trotz festem arbeitsplatzes in köln in meiner heimatstadt düsseldorf zu leben, dann lernte ich auch noch ein mädchen kennen.
das gefühl verschwand so langsam.
nochmal also die frage: wieso dieser eintrag? nun, zum einen wird dieses die heimatlosigkeit wohl nie ganz aus meinem herzen verschwinden. dafür möchte ich noch an zu vielen orten der welt leben und arbeiten. zum anderen aber – und das ist der tatsächliche auslöser für diesen blogeintrag – habe ich nun endlich den richtigen ausdruck gefunden, um das gefühl zu beschreiben: der ausdruck stammt nicht von mir sondern von pascal mercier. als der protagonist in seinem roman nachtzug nach lissabon, raimund gregorius, nach aufwühlenden wochen in portugal wieder durch seine heimatstadt bern schreitet, erklärt er, er habe das gefühl, „seine füße berührten nicht den boden“.
was für ein aha-effekt!!!
nach vier jahren der verbalen ratlosigkeit war die antwort derart einfach. dieser ausdruck wirkt einige wochen später immer noch wie ein befreiungsschlag für mich. genauso habe ich mich damals gefühlt und fühle ich mich ab und an noch heute.
raimund gregorius kehrt schon bald nach seiner rückkehr nach bern der schweiz abermals den rücken und flog zurück nach lissabon. ich bleibe vorerst in düsseldorf, spiele aber trotzdem immer wieder mit dem gedanken, wieder nach washington zu gehen.
und wie geht es euch? was macht für euch das gefühl aus, zu hause zu sein? und wo liegt der unterschied zwischen heimat und zu hause? oder ist dieses gefühl der heimatlosigkeit nicht einfach eine erscheinung unserer zeit, in der wir alle drei monate in einer anderen stadt ein praktikum, volontariat oder was auch immer absolvieren – ergo, schluss mit dem gejammer und als tatsache akzeptieren? ich bin gespannt auf eure kommentare.
